quis porro, praeter periculum horridi et ignoti maris, Asia aut Africa aut Italia relicta Germaniam peteret, informem terris, asperam caelo, tristem cultu aspectuque, nisi si patria sit?
Wer hätte ferner, ganz abgesehen von der Gefährlichkeit eines unwirtlichen und unbekannten Meeres, Asien, Afrika oder Italien verlassen sollen - um nach Germanien zu ziehen, in das wüste Land mit rauem Himmel, abschreckend für den Anbau und den Anblick, - außer wenn man es zum Vaterland hat?
Tacitus,Germania
Eigentlich
hätte er es auch viel schlechter treffen können, dachte er.
Zusammen mit seinen drei germanischen Kameraden hier Grenzdienst zu
schieben, war so schlecht nun auch wieder nicht. Wenn man einmal von
diesen verflucht kalten germanischen Wintern absah, ließ es sich
hier durchaus aushalten.
Quintus
hatte selbst schon des Öfteren seinen kargen Sold aufgebessert,
indem er einiges in der nächsten Garnisonsstadt organisiert und an
seine Kontaktleute bei den Germanen verkauft hatte. Im Laufe der Zeit
hatte er gute Kontakte zu einigen Einheimischen aufgebaut, die
regelmäßig über die Grenze kamen. Zwar waren seine Kenntnisse
ihrer Sprache immer noch recht dürftig, aber seine germanischen
Kameraden konnten in solchen Fällen aushelfen. Einige der Barbaren
sprachen auch etwas Latein, genug um sich über einfache Dinge zu
verständigen.
Quintus
merkte, dass er mal wieder richtig Appetit auf etwas Süßes hatte.
Da traf es sich gut, dass heute scheinbar wieder Odarilke mit ihrem
Mann Thorgulf über die Grenze wollte. Sie hatte während des Sommers
öfter mal einen Topf Honig im Gepäck. Das wäre eine willkommene
Abwechslung in der ewig gleichen Kost der Legionäre.
Natürlich
speisten die Offiziere und Herrschaften im castellum
da ganz anders, das Beste aus allen Gegenden des Imperiums war grade
gut genug. Aber daran war natürlich für ihn als einfachen
Turmkommandanten nicht zu denken. Vielleicht hatte er Glück und
konnte ein Tauschgeschäft gegen eins der Tücher machen, die er von
seinem letzten Besuch in der fernen Heimat mitgebracht hatte.
So
betrachtet, hatte er eigentlich nichts dagegen, hier noch weitere
Jahre Dienst zu schieben. Dann vielleicht sogar schon in einem dieser
schicken neumodischen Steintürme, die neuerdings überall entlang
des Limes als Ersatz für die alten Holztürme aufgebaut wurden.
| Quelle: wikimedia |
Seit
Antonius Pius Kaiser war, wurden einige Anstrengungen unternommen,
den Limes weiter auszubauen. Wahrscheinlich lag das daran, dass die
Barbaren im fernen Britannien wieder unruhig wurden und der Kaiser
den Wall, den sein Vorgänger Hadrian dort hatte errichten lassen,
weiter verstärken ließ. Seit der schmählichen Niederlage des Varus
vor nunmehr 150 Jahren irgendwo in den Sümpfen des inneren
Germaniens war es im Grenzland eigentlich recht ruhig gewesen.
Aber
der Kaiser wollte wohl allen Eventualitäten vorbeugen. Nach einigen
Jahren der Strafexpeditionen ins innere Germanien, hatte Rom es
vorgezogen, sich nicht mehr auf die militärische Expansion in
Germanien zu konzentrieren und stattdessen lieber die Romanisierung
der besetzten Gebiete voranzutreiben. Vielleicht würde ja aus
Germania superior irgendwann eine genauso durch und durch römische
Provinz wie Gallien werden.
„Vielleicht kann ich meinen Honig ja wieder gegen etwas eintauschen und brauche gar nicht den Weg ins castellum zu machen“, dachte Sie sich. Diese Römer waren ja ganz versessen darauf, ihren Einheitsfraß mal mit einer Süßigkeit oder auch Schinken oder Wildbret aufzubessern. Es waren wohl auch wieder römische Händler am Turm, da würde sich vielleicht auch die eine oder andere Möglichkeit zu einem lukrativen Handel ergeben.
Überall
an der Grenze wurden jetzt diese Steintürme aufgebaut, die den
Barbaren, wie die Römer uns nannten, wohl die angebliche
Überlegenheit der Römer zeigen sollen. Als ob es irgendeine Rolle
spielen würde, ob man in Steinhäusern wohnt oder nicht. Die
Bauweise unserer Häuser ist seit Urzeiten dieselbe geblieben. Warum
sollte das, was unsere Ahnen erdachten, für uns heutige nicht mehr
gut genug sein? Sollte Thorgulf jemals ein solch verweichlichtes
Exemplar von einem Mann werden, wie ich sie im castellum der
Römer sah, dann könnte er sich gleich eine neue Frau suchen.
Vielleicht unter diesen Lagerflittchen , die in der Garnisionsstadt
den Männern schöne Augen machten.
„Immerhin gab es wenigstens seit
den Zeiten meiner Großmutter keinen großen Krieg mehr“, dachte
sie, und das war allemal besser, als sich wegen irgendwelcher
Männerprobleme gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.
Man würde
sich an der Oberfläche mit
den Römern arrangieren, aber sich doch eher fremd bleiben.
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Hier noch ein paar Fotos:
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Hier noch ein paar Fotos:
Jo, das passt besser!
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